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Karpfenangeln delight – mit der Pose auf die Rüssler

Foto: Mike Pennington

Das moderne Karpfenangeln hat in den vergangenen 30 Jahren eine Entwicklung wie so kaum eine Angelnische hingelegt: Boilies, Haar-Rigs und Festbleimontagen gehören mittlerweile zum Standardinventar eines jeden ernsthaften Carphunters. Der Erfolg gibt der Technik recht, denn die Rekordmeldungen von astronomisch großen Schuppis und Spielgern nehmen kein Ende. Mit gezielten Anfütterungskampagnen wird Jagd auf Karpfen der Kategorie 30-Pfund-Plus gemacht – mit regelmäßigem Erfolg. Dabei sieht es immer ein bisschen nach Umzug aus, wenn der Karpfenjäger sich ans Wasser begibt, sein Zelt aufstellt, die Karpfenliege ausklappt und das Rodpod im Boden verankert – das professionelle Basislager liegt im Trend.

3 Ruten, Rodpod und elektronische Bissanzeiger? Karpfenangeln geht auch anders!

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Doch es geht auch anders. Mit deutlich weniger Gepäck und mindestens genausoviel Spaß. Ich spreche hier vom Posenangeln auf Karpfen, im Idealfall sogar auf Sicht. Hier geht es weniger um Sitzfleisch und Futterstrategie als vielmehr um den richtigen Draht zum Fisch.

 

Das richtige Gewässer zum Karpfenangeln

Für das Pirschen auf Karpfen empfiehlt sich ein kleiner Teich oder See. Fließgewässer sind generell schwieriger zu befischen, vor allem aufgrund der Strömung. Hier sollte man nach Altarmen oder flachen, bewachsenen Buchten Ausschau halten, die lassen sich am einfachsten befischen.

Das schöne an kleinen Gewässern ist ihre Übersichtlichkeit. Hotspots lassen sich schneller identifizieren und auch Angler ohne Lokalkenntnisse haben hervorragende Erfolgschancen beim Karpfenangeln. In unserem Fall kommt allerdings noch ein weiterer Pluspunkt dazu, die gute Befischbarkeit. Wenn wir unser Gerät so simpel und kompakt wie möglich halten, beschränken sich auch die Einsatzmöglichkeiten. Wir können den Köder nicht allzu weit vom Ufer präsentieren und erreichen auch keine großartigen Tiefen. Unser Jagdbereich beim Karpfenangeln beschänkt sich also hauptsächlich auf den Uferbereich und bei kleinen Gewässern deckt dieser Bereich schon fast den ganzen Teich ab, unser kompaktes Gerät wird uns also nicht zum Nachteil.

Die Ausrüstung

Das Gerät ist so einfach wie möglich zu halten. Eine 2,70m lange, weiche Rute mit geringem Wurfgewicht und einer weichen Spitze ist ideal zum Karpfenangeln. Sie ist lang genug, um auch leichte Montagen auf Weite zu bringen, aber kurz genug, um auch an etwas unkomfortableren Angelplätzen nicht ständig im Baum zu hängen. Hierbei sollte man aber darauf achten, dass die Rute auch das nötige Rückgrat hat, um auch einem großen Rüssler Paroli zu bieten. Dazu kommt eine kleinere Rolle mit monofiler Schnur in ausreichender Stärke (min. 0,25mm). Als Pose kommt eine schlanke 3g-Pose zum Einsatz. Wichtig ist, dass sie nicht allzu auffällig ist, denn wir fischen schließlich im Nahbereich. Alle möglichen Auffälligkeiten sollten tunlichst vermieden werden, um die Fische nicht unnötig zu verschrecken. Ein Karabinerwirbel ist beim Karpfenangeln ein Muss. Hier sollte auf Qualität geachtet werden, da ein Wirbel immer eine Schwachstelle darstellt. Dazu kommt ein handelsübliches monofiles Vorfach mit einem Haken der Größe 10 bis 14, abhängig vom verwendeten Köder. Hierfür eignen sich vor allem vorgebundene Vorfächer, die man einfach aus der Packung nehmen und in den Karabiner hängen kann. Bei der Bebleiung ist darauf zu achten, dass der Großteil des Schrotbleis auf der Hauptschnur über dem Wirbel angebracht ist. Ein Schrotblei muss unbeding auf das Vorfach, da es ansonsten schnell zu Schnursalat kommt, sobald die Montage geworfen wird.

Bei der Köderauswahl kann man gerne etwas kreativer sein: Cocktails aus Made und Tauwurm oder Rotwurm und Mais sind sehr beliebte Köder für das Karpfenangeln, aber auch ein einfaches Madenbündel kann erfolgreich sein.

 

Am Wasser

Bevor die Rute ausgebracht wird, muss das Gewässer untersucht werden. Hierbei gilt: Der Köder muss zum Fisch! Daher muss jedem verräterischen Detail besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Vor dem Karpfenangeln steht also das Beobachten. Morgens und abends verraten sich Karpfen und auch andere Friedfische gerne durch kleine Bläschen, die beim Gründeln entstehen. Steigen Bläschen auf, so hat man einen Hotspot gefunden. Auch buckelnde Karpfen sind ein guter Hinweis. Hier lohnt sich oft ein Versuch mit Schwimmbrot. Ansonsten sollte der Uferbeschaffenheit besonderes Augenmerk gelten. Finden sich umgestürzte Bäume im Wasser? Gibt es ausgeprägte Schilfkanten? Ein Seerosenfeld in Ufernähe? Solche Plätze sind besonders heiß! Generell empfiehlt es sich, gedeckte Kleidung zu tragen, damit man keine Aufmerksamkeit erregt. Außerdem sollte man leise auftreten, da sich Vibrationen unter Wasser schnell fortpflanzen. Polaroidbrille und ein Fernglas sind ebenfalls sinnvolle Ausrüstungsgegenstände, um Karpfen auszumachen.
Eine Handvoll Mais reicht als Futtergabe vollkommen aus, schließlich wollen wir nur das Interesse der Fische wecken, nicht aber ihren Hunger stillen.
Hat man einen Trupp Karpfen oder einen guten Hotspot ausgemacht, sollte man beim Ausbringen der Montage vorsichtig sein. Hier empfiehlt es sich, den anvisierten Platz ein paar Meter zu überwerfen und die Montage dann vorsichtig bis zur gewünschten Angelstelle einholen, damit die Fische nicht durch das Landen der Montage im Wasser unnötig verschreckt werden.
Nach einem gefangenen Fisch muss man meist weiterziehen, da man den Rest der anwesenden Karpfen verjagt hat. Aber gerade bei dieser Art des Karpfenangelns empfiehlt es sich, ordentlich Strecke zu machen und mehrere Hotspots zu beangeln, da man die Ausrüstung schließlich sehr mobil gewählt hat
Generell gilt: Der Köder muss zum Fisch, nicht umgekehrt. Daher kann man ruhig auch mal den Platz wechseln, wenn sich nach einer Stunde noch nichts getan hat und auch sonst keine Aktivität erkennbar ist.
Hält man sich an diese einfachen Grundregeln, steht dem erfolgreichen Karpfenangeln eigentlich nichts mehr im Weg. Auch wenn die erbeuteten Fische in der Regel keine Rekordgrößen aufweisen, so macht es doch jede menge Spaß, mit den Rüsslern auf Tuchfühlung zu gehen. Und welcher Angler bekommt beim Anblick einer verschwindenden Pose keine Adrenalinschübe?