Donaukinder – Angeln in Regensburg

Da ich vor ein paar Wochen in die Hauptstadt der Oberpfalz, Regensburg, gezogen bin, wurde es Zeit, sich einmal die umliegenden Gewässer anzusehen. Da ich immer zu Fuß unterwegs bin, war es wichtig, das Equipment auf ein Minimum zu beschränken. Mitgenommen wurde, was am Mann tragbar war. Genauer gesagt handelte es sich um eine simple 3,60 m lange Posenrute und eine kurze Winkelpicker, die zur Spinnrute umfunktioniert wurde. Während ich die Posenrute mit 22er Mono ausstattete, kam an die Spinnrute eine geflochtene Schnur, um der weichen Rutenspitze etwas entgegenzuwirken.

Die Donau im Bereich Regensburg ist ein vielfältiges Gewässer. Da ich wie bereits erwähnt nicht über ein Auto verfüge, war ich gezwungen, mich auf das Stadtgebiet zu beschränken. Aber auch hier bietet sich ein Maximum an Möglichkeiten.
Der Südarm der Donau liefert das klassische Bild eines großen Stroms. Kaimauern, Brücken und eine reißende Strömung. Mit entsprechend schweren Montagen müsse es hier auf Barben gut laufen.
Der Nordarm ist wie ein Kanal angelegt. Hier passiert die Schifffahrt das Stadtgebiet.

Da ich mir für den Anfang ein einfaches, dankbares Revier aussuchen wollte, habe ich mich für den Altarm auf der Wöhrdinsel entschieden. Er liegt direkt am Fuße der Steinernen Brücke und verfügt über ruhiges, flaches Wasser mit jeder Menge Bewegung an der Oberfläche. Immer wieder steigen einzelne Rotaugen und Ukelei an die Oberfläche.
Als ich meine Sachen auspacke, pflügt keine drei Meter vom Ufer entfernt ein Hecht durch einen Weißfischschwarm. Klarer Fall: hier geht was, denke ich und beeile mich, meine Ruten einsatzbereit zu machen. An der Posenrute montiere ich eine bauchige 3g – Pose, Karabinerwirbel und ein einfaches 12er-Haken-Fertigvorfach. 3 Maden kommen an den Haken, die Pose wird auf mittlere Tiefe eingestellt. Vielleicht lässt sich ja ein Rotauge oder ein Barsch verführen.
An die Spinnrute wird ein Stahlvorfach montiert – Stahlvorfach ist in diesem Abschnitt der Donau übrigens Pflicht. In den Karabiner hänge ich einen 3er Colonel-Z Spinner in silber, meine persönliche Allzweckwaffe.

Nachdem alle Ruten montiert, der Kescher ausgeklappt (wir sind schließlich optimistisch) und der Rutenständer platziert sind, schlenze ich die Pose hinaus. Glücklicherweise ist das Wasser relativ ruhig und so halten sich Probleme mit Schnurbogen und Abdriften der Montage durchaus in Grenzen.
Und tatsächlich – wie zu erwarten geht die Pose keine Minute Später auf Wanderschaft. Das nervöse auf- und abzuppeln lässt auf einen Vertreter der Sorte Handlang schließen, wie sich später auch bestätigt. Eine kleine Rotfeder hat sich am Madenbündel vergriffen.
Nachdem der Fisch wieder in sein Element zurückbefördert wurde, bestücke ich den Haken neu und stelle die Montage ein gutes Stück tiefer ein. Leider auch diesmal ohne nennenswerten Erfolg: Auf dieser Tiefe vergreifen sich kleine Grundeln am Madenbündel.

Derart “beflügelt”, greife ich zur Spinnrute, vielleicht lässt sich einer der raubenden Hechte zum Angriff verführen.
Allerdings verfängt sich der Spinner schon beim ersten Wurf im Gerümpel, was auf Grund liegt. Hier ist es offensichtlich flacher als gedacht, denke ich mir und führe meinen Spinner etwas schneller. Und tatsächlich – nach weiteren zehn Würfen bemerke ich einen zarten Anfasser, der leider nicht hängenbleibt. Die folgenden Würfe bleiben ereignislos und so beschließe ich, die Stelle zu wechseln.
100 Meter weiter sieht die Welt schon anders aus. Auf die Posenrute kommt direkt ein Biss eines größeren Rotauges, immerhin muss ich mich hier nicht mit Kleingeistern herumplagen. Und auf der Spinnrute verzeichne ich auch eine Menge Aktivität. Immer wieder springen kleine Fische panisch aus dem Wasser, wenn sich der Spinner nähert. Und zack, endlich erfolgt eine vernünftige Attacke! Anhieb, und… weg. Eine Flanke blitzt auf, das wars. Doch ich lasse mich nicht entmutigen und fische weiter, Wurf um Wurf. Die silberne Flanke irritiert mich allerdings, das war kein Hecht. Vielleicht ein Rapfen?
Langsam bricht die Dunkelheit herein, doch so leicht lasse ich mich nicht entmutigen und fische die letzten Würfe hochkonzentriert durch. Und tatsächlich, kurz vor Schluss fährt ein Schlag durch die Rute. Anhieb, und hängt! Nach einem kurzen, aber spritzigen Drill gleitet ein Aland in den Kescher, mein erster Aland überhaupt. Er erinnert ein bisschen an einen Rapfen, hat aber leicht rötliche Flossen. Nachmessen ergibt 34 Zentimeter, das ist immerhin ein schöner Abschluss einer Erkundungstour.
Langsam versinkt die Sonne hinterm Dom, ich packe meine Sachen und mache mich auf den Rückweg. Auf der Brücke schaue ich mich kurz um, um in die Strömung zu sehen. Das war nicht mein letzter Besuch.

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