Category Archives: Fangberichte

Der erste Hecht

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Es gibt Momente im Leben eines jeden Anglers, die man nicht vergisst. Das erste mal am Wasser, der erste Fisch.
Zu solchen Momenten zählt sicherlich auch der erste Hecht. Meist passiert das ganz unverhofft, etwa beim Stippen, wenn sich ein Hechtlein am drehenden Madenbündel beim Einholen vergreift. Ein solch unverhofftes Ereignis ließ mich im Sommer 2008 in die Welt der Raubfische förmlich hineinstolpern. Aber lest selbst:

Wie jeden Sommer waren mein Opa und ich – ich war 14 Jahre alt – in den Urlaub nach Schweden gefahren. Diesmal hatten wir uns ein Ferienhaus nördlich von Göteborg gemietet, es lag sehr abgelegen und ruhig, direkt an einem kleinen See. Im groß und hell ausgefallenen Garten tummelten sich Enten und am Ufer des Sees fand sich sogar ein kleines Boot – ein idealer Tummelplatz also für einen jungen Angler. Ich machte meine Ruten fertig und stippte, was das Zeug hielt.

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Das kleine Häuschen am See – der Traum eines jeden Junganglers :)

 

Rotaugen, Rotfedern – immer wieder ging die Pose auf Tauchfahrt und ich machte reiche Beute. Natürlich fielen die Fische, die auf mein Madenbündel hereinfielen, recht kompakt aus. Schließlich benutzte ich einen 14er Haken, dünnes Vorfach und eine bauchige Pose. Die Montage wurde so eingestellt, dass der Köder im Mittelwasser driftete.

Nach ein paar Stunden wurde mir allerdings etwas langweilig. Zumindest etwas größer dürfte die Beute ruhig ausfallen, dachte ich. Also montierte ich eine Winkelpicker mit einem Tiroler Hölzl und etwas größerem Haken. Die richtig dicken Fische dürften doch eine Etage tiefer zu finden sein. Als fangträchtige Stelle hatte ich eine kleine Krautbank keine 3 Meter vom Ufer entfernt ausgemacht. Der See blieb im Uferbereich zunächst recht flach, von Schilf und Kraut gesäumt, und fiel nach circa 5 Metern etwas steiler ab. Direkt hinter der Krautbank präsentierte ich meine Maden. Die Rute wurde auf zwei Ständern waagerecht aufgestellt, zur besseren Bissanzeige hing ich einen Twister in die Schnur zwischen Rolle und erstem Rutenring (mittlerweile weiß aber auch ich, wofür die Spitze der Winkelpicker gut ist). Soweit der Plan, ich schlenzte die Montage beherzt über die Krautbank und legte die Rute ab.

Und tatsächlich – keine 10 Minuten später tanzt der Twister in der Schnur auf und ab. Der See ist tatsächlich bis zur Oberfläche voll mit Leben! Ich nehme die Rute aus dem Ständer – Anschlag, und hängt. Mein Widersacher leistete deutlich mehr Widerstand als die bisherigen Weißfisch-Jünglinge, die mich auf einen Landgang begleiteten. Ein paar Sekunden später zeigt sich ein pralles Rotauge an der Oberfläche und gleitet in den Kescher, gut über 25 Zentimeter hatte es bestimmt (als Jungangler ist so etwas eine feine Sache! ). In der folgenden Stunde lud ich so einige Fische in meinen Kescher ein – meist waren es Rotaugen um die 25-30 Zentimeter, aber auch andere Weißfische oder Barsche.

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Angeln vom Garten aus

Trotzdem passierte es mir immer wieder, dass die Fische im Drill durch die Krautbank entkamen. Erst hingen sie fest am Haken, ich holte sie ein, dann gab es einen Schlag in der Rute und weg waren sie. Die Antwort offenbarte sich mir nur wenige Sekunden später: Als ich wieder ein strammes Rotauge drillte, gab es einen Schlag in der Rute, doch diesmal verpuffte es nicht im leeren! Auf einmal machte sich ein Widersacher am anderen Ende der Leine mit wilden Kopfstößen bemerkbar, der unmöglich mein zahmes Rotauge sein konnte. Und tatsächlich: Kurz darauf durchpflügte ein recht stattlicher Hecht sichtbar wütend das Oberflächenwasser. Er hatte das Rotauge fest zwischen den Zähnen und sah offenbar gar nicht ein, dass es sich dabei eigentlich um meine Beute handelte. Ich muss damals wohl ein lustiges Bild abgegeben haben, schließlich hatte ich überhaupt nicht damit gerechnet und auch keinen Dunst, was ich nun tun sollte. Klar war nur: Am Haken hing der Hecht nicht. Das einzige, was uns beide verband, war seine unersättliche Gier, mit der er das gehakte Rotauge in seinem Schlund hielt. Das dünne Vorfach war für so einen Widersacher sicher nicht geschaffen, also musste ich mich beeilen! Schnell griff ich nach dem Kescher und legte das Netz ins Wasser. Ich hielt die Rute sehr hoch, um möglichst viel Schnur zwischen mir und dem Hecht zu haben, denn das Vorfach könnte jeden Moment brechen. Vorsichtig bugsierte ich das Tier in Richtung Ufer, doch da zog er schon wieder ab. Der Hecht legte eine spritzige, kurze Flucht in Richtung Seemitte hin, beruhigte sich aber recht schnell und ich konnte ihn wieder in Richtung Ufer bewegen. Nach ein paar spannungsgefüllten Minuten (die mir eher wie Stunden vorkamen), gleitete ein schöner Hecht in den Kescher und ließ das Rotauge blitzschnell los, als er merkte, dass er sich mit seinem Mittagessen wohl im Regal vergriffen hatte. Doch zu spät, er war schon sicher im Kescher.
Kaum hatte ich meine Beute gelandet, konnte ich mein Glück kaum fassen – stramme 62 Zentimeter maß der Räuber und war wunderschön gemasert. Für mich war es damals der wohl größte Fang, den ich hätte machen können, auch wenn ich Jahre später eher darüber schmunzeln muss….

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Der erste Hecht – und meine Wenigkeit, noch sichtlich überrumpelt.

Donaukinder – Angeln in Regensburg

Da ich vor ein paar Wochen in die Hauptstadt der Oberpfalz, Regensburg, gezogen bin, wurde es Zeit, sich einmal die umliegenden Gewässer anzusehen. Da ich immer zu Fuß unterwegs bin, war es wichtig, das Equipment auf ein Minimum zu beschränken. Mitgenommen wurde, was am Mann tragbar war. Genauer gesagt handelte es sich um eine simple 3,60 m lange Posenrute und eine kurze Winkelpicker, die zur Spinnrute umfunktioniert wurde. Während ich die Posenrute mit 22er Mono ausstattete, kam an die Spinnrute eine geflochtene Schnur, um der weichen Rutenspitze etwas entgegenzuwirken.

Die Donau im Bereich Regensburg ist ein vielfältiges Gewässer. Da ich wie bereits erwähnt nicht über ein Auto verfüge, war ich gezwungen, mich auf das Stadtgebiet zu beschränken. Aber auch hier bietet sich ein Maximum an Möglichkeiten.
Der Südarm der Donau liefert das klassische Bild eines großen Stroms. Kaimauern, Brücken und eine reißende Strömung. Mit entsprechend schweren Montagen müsse es hier auf Barben gut laufen.
Der Nordarm ist wie ein Kanal angelegt. Hier passiert die Schifffahrt das Stadtgebiet.

Da ich mir für den Anfang ein einfaches, dankbares Revier aussuchen wollte, habe ich mich für den Altarm auf der Wöhrdinsel entschieden. Er liegt direkt am Fuße der Steinernen Brücke und verfügt über ruhiges, flaches Wasser mit jeder Menge Bewegung an der Oberfläche. Immer wieder steigen einzelne Rotaugen und Ukelei an die Oberfläche.
Als ich meine Sachen auspacke, pflügt keine drei Meter vom Ufer entfernt ein Hecht durch einen Weißfischschwarm. Klarer Fall: hier geht was, denke ich und beeile mich, meine Ruten einsatzbereit zu machen. An der Posenrute montiere ich eine bauchige 3g – Pose, Karabinerwirbel und ein einfaches 12er-Haken-Fertigvorfach. 3 Maden kommen an den Haken, die Pose wird auf mittlere Tiefe eingestellt. Vielleicht lässt sich ja ein Rotauge oder ein Barsch verführen.
An die Spinnrute wird ein Stahlvorfach montiert – Stahlvorfach ist in diesem Abschnitt der Donau übrigens Pflicht. In den Karabiner hänge ich einen 3er Colonel-Z Spinner in silber, meine persönliche Allzweckwaffe.

Nachdem alle Ruten montiert, der Kescher ausgeklappt (wir sind schließlich optimistisch) und der Rutenständer platziert sind, schlenze ich die Pose hinaus. Glücklicherweise ist das Wasser relativ ruhig und so halten sich Probleme mit Schnurbogen und Abdriften der Montage durchaus in Grenzen.
Und tatsächlich – wie zu erwarten geht die Pose keine Minute Später auf Wanderschaft. Das nervöse auf- und abzuppeln lässt auf einen Vertreter der Sorte Handlang schließen, wie sich später auch bestätigt. Eine kleine Rotfeder hat sich am Madenbündel vergriffen.
Nachdem der Fisch wieder in sein Element zurückbefördert wurde, bestücke ich den Haken neu und stelle die Montage ein gutes Stück tiefer ein. Leider auch diesmal ohne nennenswerten Erfolg: Auf dieser Tiefe vergreifen sich kleine Grundeln am Madenbündel.

Derart “beflügelt”, greife ich zur Spinnrute, vielleicht lässt sich einer der raubenden Hechte zum Angriff verführen.
Allerdings verfängt sich der Spinner schon beim ersten Wurf im Gerümpel, was auf Grund liegt. Hier ist es offensichtlich flacher als gedacht, denke ich mir und führe meinen Spinner etwas schneller. Und tatsächlich – nach weiteren zehn Würfen bemerke ich einen zarten Anfasser, der leider nicht hängenbleibt. Die folgenden Würfe bleiben ereignislos und so beschließe ich, die Stelle zu wechseln.
100 Meter weiter sieht die Welt schon anders aus. Auf die Posenrute kommt direkt ein Biss eines größeren Rotauges, immerhin muss ich mich hier nicht mit Kleingeistern herumplagen. Und auf der Spinnrute verzeichne ich auch eine Menge Aktivität. Immer wieder springen kleine Fische panisch aus dem Wasser, wenn sich der Spinner nähert. Und zack, endlich erfolgt eine vernünftige Attacke! Anhieb, und… weg. Eine Flanke blitzt auf, das wars. Doch ich lasse mich nicht entmutigen und fische weiter, Wurf um Wurf. Die silberne Flanke irritiert mich allerdings, das war kein Hecht. Vielleicht ein Rapfen?
Langsam bricht die Dunkelheit herein, doch so leicht lasse ich mich nicht entmutigen und fische die letzten Würfe hochkonzentriert durch. Und tatsächlich, kurz vor Schluss fährt ein Schlag durch die Rute. Anhieb, und hängt! Nach einem kurzen, aber spritzigen Drill gleitet ein Aland in den Kescher, mein erster Aland überhaupt. Er erinnert ein bisschen an einen Rapfen, hat aber leicht rötliche Flossen. Nachmessen ergibt 34 Zentimeter, das ist immerhin ein schöner Abschluss einer Erkundungstour.
Langsam versinkt die Sonne hinterm Dom, ich packe meine Sachen und mache mich auf den Rückweg. Auf der Brücke schaue ich mich kurz um, um in die Strömung zu sehen. Das war nicht mein letzter Besuch.